Stark giftig Fingerhut


Der Fingerhut ist mit seinen markant geformten Blüten eine so auffällige Pflanze, das man ihn kaum wieder vergisst, wenn man ihn einmal kennengelernt hat.

Die meisten lernen ihn zuerst in Gärten kennen, denn dort wird er gerne als Zierpflanze angebaut. Er kommt in Europa aber auch häufig wild vor, vor allem auf Waldlichtungen und Kahlschlägen.

Trotz seiner starken Giftigkeit werden die Wirkstoffe des Fingerhutes weltweit von Ärzten gegen Herzschwäche verordnet, denn die Digitalisglykoside gelten als die besten herzstärkenden Mittel. In der Naturheilkunde muss man wegen der Giftigkeit jedoch einen Bogen um den Einsatz des Fingerhutes machen, ausser man setzt ihn in homöopathischer Dosis ein.



Steckbrief

Heilwirkung: Achtung! Stark giftig. Nur in verschriebenen Fertigpräparaten oder homöopathisch anwenden.

Herzschwäche,
Angina Pectoris,
Ödeme,
tonisierend,
Kopfschmerzen,
Fieber,
Gicht,
Unterleibszysten,
Wunden,
Furunkel,

wissenschaftlicher Name:Digitalis purpurea
Pflanzenfamilie:Braunwurzgewächse = Scropholariaceae
englischer Name:Foxglove
volkstümliche Namen:Fingerpiepen, Handschuhkraut, Potschen, Waldglocke, Waldschelle
Verwendete Pflanzenteile:Blätter
Inhaltsstoffe:Digitalis-Glykoside, Digitoxin, Herzaktivierende Glykoside, Acetylcholin, Cholin, Gallussäure, Gitaloxigenin, Gitoxin, Inositol, Saponine, Schleim



Anwendung

Achtung! Stark giftig.

Fingerhut nur in verschriebenen Fertigpräparaten oder homöopathisch anwenden.

Innerliche Anwendung gegen Herzschwäche

Aufgrund seiner Giftigkeit wird der Fingerhut nur in seiner herzstärkenden Eigenschaft angewendet, denn für die anderen Heilwirkungen des Fingerhutes gibt es viele ungefährlichere Heilpflanzen.

Bei Herzschwäche sind Produkte aus dem Fingerhut, die sogenannten Digitalispräparate, die Mittel der Wahl, auch in der Schulmedizin.

Die Pflanze ist jedoch so giftig, dass sie auf keinen Fall im Rahmen einer Selbstmedikation angewendet werden sollte. Schon der Verzehr von zwei Blättern kann zum Tode führen!

Selbst bei bestimmungsmässiger Einnahme von Fertigpräparaten kann es häufig zu Vergiftungserscheinungen kommen, weil die therapeutische Breite des Fingerhutes sehr schmal ist. Die "therapeutische Breite" ist die Dosierungshöhe, in der ein Mittel heilkräftig wirkt, aber noch nicht schädlich ist. Die herzwirksamen Digitalisglykoside fangen erst bei einer relativ hohen Dosis an zu wirken, die ziemlich dicht an einer giftigen Dosis ist.

Vergiftungen durch die offizielle Einnahme von Digitalispräparaten kommen daher auch relativ oft vor, im Gegensatz zu Vergiftungen durch den Genuss der wilden Pflanze, denn die Blätter schmecken bitter und nicht gerade verlockend.

Leichte Vergiftungszeichen durch Digitalisglykoside sind das Gelbsehen und andere Sehstörungen. Bei schwereren Vergiftungen kommt es zu Herzrhythmusstörungen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, blaue Lippen, Atemnot und schliesslich Herzstillstand.

Im Fall einer Vergiftung durch Verzehr von Pflanzenteilen müssen sofort Magen und Darm entleert werden, am besten in einer Klinik durch Magen auspumpen. Falls eine Klinik nicht so schnell erreichbar ist, kann es helfen, reichlich medizinische Kohle zu geben, damit die giftigen Stoffe aufgesaugt werden. Auch ein starker Kaffee kann hilfreich wirken.

Äusserlich gegen Wunden

Ein äusserlicher Einsatzzweck der Volksheilkunde sollte vielleicht nicht unerwähnt bleiben.

Abkochungen der Fingerhutblätter können als Umschlag angewandt die Heilung von Wunden fördern.

Geschichtliches

Erstaunlicherweise war die heilkräftige Wirkung des Fingerhutes in der Antike und dem frühen Mittelalter bei den bekannten Heilkundigen, die Aufzeichnungen hinterlassen haben, unbekannt. In der Volksheilkunde in Mittel-, West- und Nordeuropa war sie jedoch bekannt und wurde erst nach und nach von offiziellen Heilkundigen erkannt und übernommen. Möglicherweise hängt diese Unbekanntheit damit zusammen, dass der Fingerhut eher eine Pflanze des Nordens und Westens ist als eine Pflanze Südosteuropas, wo die meisten der sonstigen Heilpflanzen heimisch sind. Die Kräuterärzte der Antike konnten sie also gar nicht kennen.



Pflanzenbeschreibung

Der Fingerhut ist in Europa heimisch.

Er bevorzugt kalkfreie Böden wächst vor allem auf Waldlichtungen, an Waldrändern und auf Kahlschlägen. Auch in Gärten wird er oft als Zierpflanze angebaut.

Die zweijährige Pflanze bildet im ersten Jahr eine Blattrosette mit grossen spitzovalen Blättern aus.

Im zweiten Jahr treibt ein bis zu zwei Meter hoher Stengel aus der Pfahlwurzel, der kleine wechselständige Blätter trägt.

Die purpurroten Blüten hängen an einer Seite des Stengels und bilden eine Art Kerze. Die einzelnen Blüten haben die Form eines Fingerhutes, was der Pflanze auch den Namen gab. Sie kommen auch in weiss vor.


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