Giftplanzen - Kurzfassung


Fingerhut

(Zur Langfassung über Wirkungen und Nebenwirkungen von Heilpflanzen)

Was ist eigentlich eine Giftpflanze?

Die Meinungen dazu gehen auseinander. Früher wurden nur stark giftige Pflanzen, mit erheblichen Schadwirkungen auch in kleiner Dosis, als giftig betrachtet. Der Fingerhut beispielsweise wurde damals als ganz normale Heilpflanze in Form von Tee verabreicht, wenn jemand ein schwaches Herz hatte. Er galt damals nicht als giftig, wohl aber als starke Heilpflanze, die mit Umsicht angewendet werden musste.

Heutzutage ist die Definition, was eine Giftpflanze ist, sehr viel enger geworden. Der Fingerhut wird heutzutage ganz eindeutig als Giftpflanze betrachtet und niemand würde ihn einfach als Tee verabreichen. Ängstliche Gemüter ziehen die Grenzen sogar noch enger und erklären etliche Pflanzen zur Giftpflanze, die von anderen Menschen reichlich im Salat gegessen werden, ohne Schaden zu nehmen, beispielsweise das Scharbockskraut.

Bei der Diskussion über die Giftigkeit von Pflanzen sollte man sich die Weisheit von Paracelsus vor Augen halten:

"Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist."

Obwohl diese Aussage schon sehr alt ist (16. Jahrhundert), hat sie an Weisheit nichts eingebüßt.

Streng genommen, ist sogar Wasser giftig, denn wenn man zu viel davon auf einmal trinkt, beispielsweise zehn Liter ohne Salz-Zufuhr, dann kann man an einer Wasservergiftung sterben. Auf der anderen Seite ist Wasser lebensnotwendig. Wenn man zwei bis drei Tage auf Wasser verzichten muss, verdurstet man. Das Gleiche gilt auch für das Salz. Es ist unentbehrlich, aber zu viel auf einmal kann töten.

Noch viel mehr gilt der Spruch des Paracelsus für die Heilpflanzen, denn hier liegt der Unterschied zwischen Heilwirkung und Schadwirkung manchmal dicht beisammen. Manche Heilpflanzen haben sogar bei richtiger Dosierung unerfreuliche Wirkungen, was dann, genau wie bei der chemischen Medizin, als Nebenwirkung bezeichnet wird.

Viele Pflanzen haben auch einige giftige Pflanzenteile, andere Teile sind ungiftig. So kann man die grünen Teile des Holunders durchaus als giftig bezeichnen. Die Blüten und die gekochten Beeren sind jedoch ungiftig und stellen nicht nur wertvolle Heilpflanzen dar, sondern sind auch ein Hochgenuss in der Küche.

Generell betrachtet sind stark heilkräftig wirkende Pflanzen meistens dichter an der Giftigkeit als schwache, sanfte Pflanzen. Wenn man von einer Heilpflanze eine starke Wirkung gegen starke Beschwerden erwartet, muss man berücksichtigen, dass man sie sorgfältig anwenden muss, damit sie nicht zur Giftpflanze wird.

Von völlig ungiftigen Pflanzen, die auch in höchster Dosierung keine unerwünschten Wirkungen haben, kann man sich hingegen keine durchschlagend starke Heilwirkung erwarten.

Das ist jedoch nur eine grobe Faustregel und gilt nicht für alle Pflanzen und alle Situationen.

Löwenzahn

Giftwarnungen aus der Kindheit

Viele Kinder werden von ihren Eltern und Großeltern vor zahlreichen Giftpflanzen gewarnt und glauben dann zeitlebens an die Giftigkeit dieser Pflanzen.

Häufig geben sie diese, teilweise falsche, Information auch an ihre Kinder weiter, sodass sich Mythen über die vermeintliche Giftigkeit von Pflanzen über Generationen hinweg halten.

Eine typische vermeintliche Giftpflanze ist der Löwenzahn. Viele Menschen merken sich als Faustregel, dass weißer Milchsaft eine Pflanze zur Giftpflanze macht. Auf die große Familie der Wolfsmilchgewächse trifft das auch durchaus zu. Deren Milchsaft ist scharf und ätzend. Der Milchsaft im Löwenzahn ist jedoch harmlos. Wenn man vom Löwenzahn-Milchsaft einen Zentner essen würde, wäre das bestimmt auch gesundheitsschädlich, aber in normalen Mengen schadet der Löwenzahn-Milchsaft überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil: Die Blätter des Löwenzahns, die auch ein wenig Milchsaft enthalten, sind eine sehr gesunde Beigabe zum Frühlingssalat. Dennoch hat es seine Berechtigung, kleine Kinder vor allen Pflanzen mit weißem Milchsaft zu warnen, denn sie können oft noch nicht zwischen verschiedenen Pflanzenarten unterscheiden.

Ähnlich sieht es bei den Beeren aus. Da zahlreiche Beeren stark giftig sind, werden viele Kinder pauschal vor Beeren gewarnt. So kommt es, dass sehr viele Menschen der Überzeugung sind, dass die Vogelbeeren der Eberesche giftig sind, zumal sie meistens recht herb schmecken. Gekocht als Marmelade, Mus oder Kompott sind Vogelbeeren jedoch einfach köstlich und gar nicht giftig.


Huflattich

Krebsfördernde Wirkungen

Heutzutage werden zahlreiche Heilpflanzen wegen einer tatsächlichen oder vermeintlichen krebsfördernden Wirkung als Giftpflanzen eingestuft.

Das betrifft teilweise traditionelle, sanft wirkende Heilpflanzen, wie beispielsweise den Beinwell oder den Huflattich.

Um die Situation verstehen zu können, sollte man wissen, dass jeder Stoff, egal wie harmlos, im Übermaß eingenommen oder angewendet, eine krebsfördernde Wirkung haben kann.

Auch auf die krebsfördernde Wirkung trifft das berühmte Paracelsus-Zitat zu, nach der allein die Dosis das Gift ausmacht.

Mit der Angst vor Krebs kann man heutzutage viele Menschen stark ängstigen und daher erfolgreich unter anderem die Heilpflanzenkunde in Misskredit bringen.

Zum Nachweis einer krebsfördernden Wirkung werden meistens bestimmte Inhaltstoffe einer Heilpflanze, oder einer ganzen Gruppe von Heilpflanzen, chemisch isoliert. Diese isolierte Substanz wird Versuchstieren in hohen Dosen verabreicht. Die Gabe der hochdosierten Wirksubstanz wird so lange wiederholt, bis die Versuchstiere davon krank werden. Man muss die Dosis der Substanz nur stark genug erhöhen, dann wirkt jede beliebige Substanz gesundheitsschädlich und meistens auch krebsfördernd.

Mit solchen Methoden kann man für jede Substanz eine krebsfördernde Wirkung nachweisen.

In der Praxis werden die wirksamen Stoffe einer Heilpflanze jedoch nur selten in isolierter Form angewendet, sondern meistens mitsamt der ganzen Pflanze. Außerdem werden üblicherweise eher geringe Mengen einer Heilpflanze zu sich genommen.

Kein Mensch ernährt sich über Monate hinweg ausschließlich von Huflattich-Blättern, was in einer medizinischen Studie mit Ratten so gehandhabt wurde. Stattdessen wird der Huflattich für einen überschaubaren Zeitraum als Tee angewendet. Die Ergebnisse der Ratten-Studie lassen sich daher nicht ohne weiteres auf die Anwendung als Heilpflanze übertragen.

Zahlreiche Heilpflanzen, die sogenannte Pyrrolizidinalkaloide enthalten, wurden Opfer einer Kampagne, die diesen Pflanzen eine krebsfördernde Wirkung unterstellen wollte. Pyrrolizidinalkaloide sind eine ganze Gruppe von chemischen Substanzen (Alkaloiden), die sehr unterschiedliche Wirkungen haben. Einige von diesen Pyrrolizidinalkaloide wirken in der Tat giftig auf Tiere, beispielsweise die im Jakobs-Kreuzkraut enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide schädigen Pferde. Das gilt aber nicht für alle Pflanzen, die Pyrrolizidinalkaloide enthalten. Ohne ausreichende Differenzierung wurden im Rahmen der Kampagne unter anderem folgende traditionelle Heilpflanzen zu gefährlichen, krebsfördernden Giftpflanzen erklärt: Beinwell, Borretsch, Huflattich, Pestwurz, Wasserdost.

Vor wenigen Jahren erst wurde die Substanz Cumarin als potentiell krebserregend eingestuft. Auch hier lagen der Kampagne wieder Tierversuche mit extrem hohen Dosen zugrunde. Durch diese Kampagne wurde unter anderem der Zimt als giftig eingestuft. Im Weihnachtsgeschäft wurde vor zimthaltigen Keksen gewarnt und die Bevölkerung erheblich verunsichert. Tatsache ist, dass Cumarin in hohen Dosen Kopfschmerzen und andere Beschwerden verursachen kann. Aber durch den Genuss von Zimtsternen besteht bei normalen Essmengen keine Gesundheitsgefahr.

Die beiden genannten Kampagnen hatten durchschlagenden Erfolg, denn inzwischen traut sich kaum noch ein Autor, die betroffenen Heilpflanzen als ungiftig zu bezeichnen. In Büchern, Online-Lexika und Fernsehreportagen wird aus Sicherheitsgründen immer wieder auf die Giftigkeit der verunglimpften Stoffe und Pflanzen hingewiesen, bis sich dieses vermeintliche Wissen bei allen Menschen herumgesprochen hat.

Diese Beispiele zeigen, dass man bei neuen Meldungen über krebserregende oder giftige Wirkungen von Heilpflanzen seinen gesunden Menschenverstand einschalten sollte, anstatt alles blind zu glauben.

Pfefferminze

Isolierte Substanzen versus Heilpflanzen

Bei der Betrachtung der Giftigkeit einer Heilpflanze wird heutzutage häufig eine chemisch isolierte Substanz untersucht und nicht die gesamte Pflanze.

In Pflanzen kommen chemische Substanzen jedoch nicht isoliert vor, sondern zusammen mit zahlreichen anderen Substanzen, die sich gegenseitig abmildern und teilweise eine Pufferwirkung aufeinander ausüben.

Eine isolierte Substanz kann mitunter eine gefährliche Giftwirkung haben, auch wenn die Heilpflanze, die diese Substanz enthält, gefahrlos angewendet werden kann.

Daher sollte man isolierte, chemische Wirkstoffe aus Pflanzen nur unter ärztlicher Aufsicht anwenden. Klassische Beispiele für ärztlich genutzte pflanzliche Wirkstoffe sind das Digitalis aus dem Fingerhut und das Colchizin aus der Herbstzeitlose, beides starke Gifte mit wichtiger Heilwirkung. Diese Gifte dürfen nur vom Arzt verschrieben werden. Sie sollten keinesfalls überdosiert werden.

Bei diesen beiden Substanzen ist es auch sinnvoll, sie aus der Pflanze zu isolieren und als Medikament anzuwenden. Die gesamten Pflanzen sind nämlich trotz aller Pufferwirkungen immer noch stark giftig. Außerdem enthalten verschiedene Pflanzen je nach Standort, Tageszeit und Wetter unterschiedlich viel Wirkstoffe, so dass es bei gleicher Pflanzenmenge in einem Fall zur Unterdosierung und im anderen Fall zur Überdosierung kommen kann. Als standardisiertes Medikament eingesetzt, kann man die Dosis genau festlegen und auf diese Weise die schädigende Wirkung verringern.

Bei anderen Pflanzen ist es jedoch oft sinnvoller, die ganze Pflanze anzuwenden und nicht den isolierten Wirkstoff.

Das Menthol aus der Pfefferminze ist beispielsweise ein relativ aggressives ätherisches Öl, das nicht jeder gut verträgt. In einem Pfefferminztee aus der natürlichen Pflanze wird es viel besser vertragen, weil die Pfefferminze auch noch andere Wirkstoffe enthält.

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