Stark giftig Schlafmohn

(Papaver somniferum)


  

Schlafmohn

Der Schlafmohn war früher eine der wichtigsten Heilpflanzen, weil er eine starke schmerzstillende Wirkung hat.

Inzwischen ist diese hübsch anzusehende Heilpflanze jedoch in Verruf geraten, weil seine Heilwirkung mit starker Suchtgefahr verbunden ist und die Linderung der Schmerzen daher einen hohen Preis hat. Auch die Gefahr des Missbrauchs ist leider hoch und verbreitet.

Wenn die Schmerzen jedoch unerträglich werden, z.B. im Endstadium von Krebserkrankungen, sind Präparate auf der Basis des Schlafmohns immer noch häufig im Einsatz, jedoch nur, wenn sie vom Arzt besonders sorgfältig verschrieben wurden.



Steckbrief

Haupt-Anwendungen: Achtung! Giftig!
Schmerzen,
Heilwirkung: beruhigend,
hustenreizstillend,
krampflösend,
schlaffördernd,
schmerzstillend,
Anwendungsbereiche: Krebs-Schmerzen,

Früher:
Depressionen,
Durchfall,
Schlaflosigkeit,
Unruhe,
wissenschaftlicher Name:Papaver somniferum
Pflanzenfamilie:Mohngewächse / Papaveraceae
englischer Name:Garden-poppy
andere Namen:echter Mohn, Gartenmohn, Lichtschuppen,
Verwendete Pflanzenteile:Saft der Samenkapsel
Inhaltsstoffe:Opiumalkaloide, z.B. Morphin, Codein, Noscapin, Papaverin
Sammelzeit:


Anwendung

Schlafmohn

Schlafmohn wird heutzutage gar nicht mehr in der Pflanzenheilkunde eingesetzt, weil die Suchtgefahr sehr groß ist, und weil das Betäubungsmittelgesetz es verbietet.

Bei extrem starken Schmerzen werden jedoch sogenannte Opiate, das sind Präparate auf der Basis der Schlafmohn-Wirkstoffe, auch heute noch vielfach eingesetzt. Das geschieht jedoch nur mit speziellen Rezepten und einer genauen Überprüfung der Krankheitssituation.

Der Schlafmohn gehört somit zu einer ganzen Gruppe von Heilpflanzen, die wegen ihrer Giftigkeit zwar nicht mehr als Heilpflanze angewendet werden, aber chemisch isoliert einen wichtigen Platz in der Schulmedizin haben. Ein anderes Beispiel dieser Art ist der Fingerhut, dessen Wirkstoff Digitalis ein wichtiges Herzmedikament ist.



Wirkung

Schlafmohn

Die Alkaloide im Schlafmohn wirken stark schmerzstillend und beruhigend.

Außerdem wirken sie krampflösend und stillen den Hustenreiz, vor allem bei starkem Reizhusten ohne Auswurf.

Allergische Reaktionen

Manche Menschen reagieren allergisch auf Hautkontakt mit Schlafmohn-Pflanzen.



Geschichtliches

Schlafmohn

Der Schlafmohn wurde schon in der Jungsteinzeit als Heilpflanze angebaut und als Medikament genutzt. Somit gehört er zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit.

Schon um 4.000 wurde die Nutzung der Schlafmohns in Keilschriften beschrieben.

Im Mittelmeerraum und Kleinasien war die Nutzung des Opiums, das aus dem Schlafmohn gewonnen wurde, offenbar sehr beliebt, und es gab spezielle Behältnisse zu seiner Aufbewahrung.

Spätestens im alten Rom wurde Opium nicht nur als Heilmittel sondern von den Wohlhabenden auch als Droge verwendet.

Im Rahmen der Christianisierung wurde Opium vielerorts verboten, denn Schmerzen galten als Strafe Gottes, die man nicht lindern sondern durchleiden sollte. Auch im 9. Jahrhundert unter Karl dem Großen war der Mohn und seine Produkte verboten.

Doch als sich die Medizin Arabiens nach Mitteleuropa ausbreitete gewann der Mohn wieder an Bedeutung.

Laudanum

Paracelsus (Theophrastus Bombastus von Hohenheim) machte Opium-Tinktur im 15. Jahrhundert unter dem Namen "Laudanum" bekannt.

Laudanum wurde in den folgenden Jahrhunderten zu einer besonders beliebten Medizin in allen Bevölkerungsschichten. Es war preiswert und leicht erhältlich. Daher wurde es damals ähnlich verwendet wie heutzutage beispielsweise Aspirin. Sogar unruhigen Kindern wurde Laudanum zur Verbesserung des Schlafes gegeben.

Manche Künstler nahmen Laudanum auch zur Steigerung ihrer Kreativität ein, was jedoch nur für eine Weile funktionierte, bis die Sucht sich eher negativ auf das künstlerische Schaffen auswirkte.

Im 19. Jahrhundert begann man zu erkennen, dass Laudanum süchtig macht. Nach und nach wurde sein Gebrauch in den meisten Ländern verboten, in Deutschland beispielsweise im Jahr 1929.




Pflanzenbeschreibung

Schlafmohn

Schlafmohn ist in Zentralasien, Kleinasien und im Mittelmeergebiet heimisch.

Die einjährige Pflanze wird zwischen 30 und 120 Zentimeter hoch.

Der Stengel ist rund, meistens unverzweigt und hat häufig einige feine Haare.

Die länglichen Blätter sind graugrün, gezähnt und buchtig.

Ab Juni bis August erscheinen die auffallend großen Blüten. Sie sind weiß bis violett und haben einen violetten Fleck an ihrem Grunde, der in der Draufsicht wie ein rundliches Kreuz aussieht. Der Schlafmohn hat nur vier Blütenblätter, die wie zerknittert aussehen.

Manche Zierformen des Schlafmohns haben auch rote Blütenblätter.

Schlafmohn

Aus den Schlafmohn-Blüten entwickeln sich bis Juli oder September die runden Fruchtkapseln.

In den Kapsel befinden sich zahlreiche blauschwarze, ungiftige Samen, die man zu Gebäck verarbeiten kann. Diese Samen sind der einzige Teil der Mohnpflanze, der ungiftig ist. Alle anderen Teile enthalten mehr oder weniger viel giftige Alkaloide.

Besonders giftig ist der Milchsaft in der Samenkapsel, der einen hohen Gehalt an Opiumalkaloiden hat und zur Gewinnung von Opium verwendet wird. Zur Gewinnung des Milchsaftes wird die Kapsel an mehreren Stellen angeritzt. Der austretende Saft wird abgekratzt und weiter verarbeitet.


Verwechslungsmöglichkeit: Borstiger Mohn

Borstiger Mohn

Dem Schlafmohn sehr ähnlich ist der borstige Mohn (Papaver setigerum).

Er ist in den Mittelmeerländern, auf Madeira, den Azoren und auf den kanarischen Inseln heimisch und wächst dort wild.

Meistens sind die Blüten des borstigen Mohns etwas dunkler als die des echten Schlafmohns, und die Blätter sind grüner.

Der Milchsaft des borstigen Mohns enthält auch Opiumalkaloide, jedoch deutlich weniger als der des echten Schlafmohns.


Borstiger Mohn

Wegen der großen Ähnlichkeit zwischen Schlafmohn und borstigem Mohn wurde zeitweise überlegt, ob der bosrtige Mohn eine Unterart des Schlafmohns ist. Das ist jedoch nicht der Fall, wie genetische Untersuchungen bewiesen haben. Auch ist der borstige Mohn keine wilde Urform des Schlafmohn, wie manchmal vermutet wurde. Der Gensatz des borstigen Mohns ist nämlich tetraploid (4 Chromosomensätze) und der des Schlafmohns ist diploid (2 Chromosomensätze).

Wahrscheinlich haben borstiger Mohn und Schlafmohn aber gemeinsame Vorfahren.



Keine Anbautipps und Sammeltipps

Schlafmohn

Wegen der Giftigkeit des Schlafmohns, und weil seine Endprodukte dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, gibt es an dieser Stelle weder Anbau- noch Sammeltipps.

Um den Schlafmohn im eigenen Garten anbauen zu dürfen, braucht man eine Ausnahmegenehmigung und selbst dann darf man maximal 10 qm anpflanzen.




Disclaimer: Frage Deinen Arzt oder Apotheker
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