Wahrer Bärenklau

(Acanthus mollis)


  

Wahrer Bärenklau


Im Mittelmeerurlaub begegnet einem der Wahre Bärenklau möglicherweise als Zierpflanze und vielleicht auch wildwachsend in der Buschlandschaft der Macchia.

Wenn man seinen deutschen Namen hört, traut man seinen Ohren kaum, denn diese Pflanze hat kaum etwas gemein mit den mitteleuropäischen Bärenklau-Arten. Viel eher erinnert der Wahre Bärenklau an den Fingerhut oder den Eisenhut, mit denen er aber nicht verwandt ist.

Als Heilpflanze ist der Wahre Bärenklau hierzulande überhaupt nicht geläufig, dabei hat er im Altertum eine wichtige Rolle gespielt und lässt sich für eine ganze Reihe von Krankheiten einsetzen.



Steckbrief

Haupt-Anwendungen:
Atemwegserkrankungen,
Verstauchung,
Wundheilung,
Heilwirkung:
abführend,
adstringierend,
entzündungshemmend,
erweichend,
galletreibend,
harntreibend,
lindernd,
schleimlösend,
schmerstillend,
wundheilend,
Anwendungsbereiche:
Blaue Flecken,
Brandwunden,
Bronchitis,
Durchfall,
Ekzeme,
Erkältung,
Furunkel,
Gallenschwäche,
Gicht,
Grippe,
Halsschmerzen,
Hautausschlag,
Herpes,
Husten,
Mundschleimhautentzündung,
Neurodermitis,
Prellung,
Quetschung,
Rachenentzündung,
Schmerzen,
Schnupfen,
Unterleibsentzündung,
Verbrennung,
Verbrühung,
Verdauungsbeschwerden,
Verrenkung,
Verstopfung,
Wunden,
Zerrung,
wissenschaftlicher Name:
Acanthus mollis
Pflanzenfamilie:
Akanthusgewächse = Acanthaceae
englischer Name:
bear's breeches, oyster plan
andere Namen:
Bärentapen, Weicher Bärenklau, Weicher Akanthus, Weiche Bärentatze
Verwendete Pflanzenteile:
Blätter, Wurzel, Kraut
Inhaltsstoffe:
Schleimstoffe, Gerbstoffe, Tanine, Bitterstoffe, Harze, Mineralsalze,
Sammelzeit:
Fotos von Wahrer Bärenklau


Anwendung

Wahrer Bärenklau

Früher war der Wahre Bärenklau offizinell, das heißt er musste in jeder Apotheke vorgehalten werden.

Heutzutage kennt niemand mehr diese Heilpflanze, obwohl das Anwendungsspektrum sehr vielfältig ist. Warum der Wahre Bärenklau als Heilpflanze in Vergessenheit geraten ist, habe ich leider nicht herausgefunden.

Verwendet wurden das oberirdische Kraut, die Blätter und die Wurzel.

Vermutlich gab es ihn in den üblichen Zubereitungsformen Tee, Tinktur und Kräuterwein. Für die äußerliche Anwendung wurde vielleicht auch eine einfache Salbe hergestellt.

Die Liste der traditionellen Anwendungsgebiete deutet auf eine Universalmedizin hin.

Wahrer Bärenklau soll gegen Erkältungen und die damit verbundenen Atemwegsprobleme wie Husten, Schnupfen, Halsweh und dergleichen helfen.

Auch die Verdauungs profitiert, sei es bei Verstopfung oder dem Gegenteil dem Durchfall.

Äußerlich wurde der Wahre Bärenklau gegen Hautentzündungen wie z.B. Ekzeme eingesetzt, aber auch bei Wunden, insbesondere bei Brandwunden. Außerdem gehören Verstauchungen zu den Einsatzgebieten des Wahren Bärenklaus.



Geschichtliches

Der Wahre Bärenklau war im Altertum wegen der Symmetrie seiner Blattmaserungen bekannt und diente als Inspiration für griechische Säulenverzierungen.

Auch in der Medizin wurde der Wahre Bärenklau schon frühzeitig verwendet.

Dieoskurides empfiehlt ihn unter anderem für Verrenkungen, Brandwunden und Durchfall.

Im Mittelalter wurde der Wahre Bärenklau noch gerne als Heilpflanze verwendet.

Matthiolus (1563) schätzt den Wahren Bärenklau sehr und empfiehlt den gekochten Wurzelbrei für Verrenkungen, Gicht und den Brand (unklar ob hier Wundbrand oder Brandwunden gemeint sind). Die Blätter könne man als Pflaster anwenden, um Geschwülste zu erweichen.

Weinmann (1737) empfiehlt ihn für Verletzungen und vergleicht ihn mit dem Beinwell.




Pflanzenbeschreibung

Wahrer Bärenklau

Wahrer Bärenklau ist in den Mittelmeerländern heimisch.

Er wächst bevorzugt in Buschlandschaften, wird aber auch häufig als Zierpflanze angebaut. Wo er sich wohlfühlt, macht er sich oft so breit, dass man von einer invasiven Pflanze spricht.

Die mehrjährige Pflanze wird bis zu 100 Zentimeter hoch.

Im Frühjahr treibt die Wurzel zunächst fiederspaltige, gezähnte Blätter aus.

In Bodennähe wächst dann eine Blattrosette.

Die Blätter werden bis zu 60 Zentimeter lang. Auffällig ist die weißliche Maserung der Blätter und ihre gezackte Form, die zu Säulenverzierungen inspiriert haben.

Später wächst der Stengel empor. An ihm wachsen nur wenige kleine Blätter.

Die auffälligen Blüten erscheinen im Frühsommer. Man sieht sie von Mai bis August. Die Blütenstände sind sehr lang und unverzweigt.

Die einzelnen Blüten stehen kreuzgegenständig am Blütenstängel. Sie sind unten weiß bis zartrosa und oben rot bis violett. Das obere, dunkle Blütenblatt wölbt sich wie ein Helm über die hellere Gruppe der unteren Blütenblätter.

Aus den Blüten entwickeln sich eiförmige Kapseln mit zwei bis vier Fächern, in denen sich jeweils ein Same befindet.

Mehr Fotos vom Wahren Bärenklau...



Anbautipps

Um den Wahren Bärenklau in Mitteleuropa anbauen zu können, braucht man einen sehr geschützten, warmen Standort, der vor Frost weitgehend geschützt ist. Im Zweifelsfall kann man die Pflanze in großen Kübeln anbauen.

Zum Anbau kann man entweder fertige Pflanzen, Teile des Wurzelstocks oder Samen verwenden.




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