Kräuter-Wanderung: 6.4.2006: Frühlingserwachen im Liliental


Das Liliental ist ein Teil des Kaiserstuhls, gelegen im Süden dieses kleinen Gebirges zwischen Ihringen und Wasenweiler. Es zieht sich tief in den Kaiserstuhl hinein, sodass man den höchsten Berg Totenkopf mitsamt seiner grossen Rundfunk-Antenne vom Liliental aus zu Fuss erreichen kann.

Das Besondere des Lilientals ist jedoch das grosse Arboreum, eine Art Baumgarten, der schon seit langer Zeit besteht und daher auch grosse und alte Bäume aufzuweisen hat. Hier findet man sehr exotische Bäume, z.B. Mammutbäume und Gingkos, aber auch nahezu alle Arten von normalen heimischen Bäumen, zumindest sehr viele davon.

Zwischen all den Bäumen wachsen viele interessante Kräuter, die die geschützte und warme Lage des Lilientals geniessen. Auf einigen Wiesen gibt es auch seltene Orchideen, die ich euch im Laufe des Jahres bestimmt vorstellen kann.

Diesmal treffen wir jedoch vor allem ausgeprägte Frühblüher an, denn auch hier ist der Frühling durch den langen Winter verzögert, aber bei weitem nicht so stark, wie in anderen Gegenden.

Genug der Vorrede - lasst uns los wandern!

Schon am Parkplatz werde ich von einer wichtigen Heilpflanze begrüsst.

Die Brennessel ist hier schon weiter als bei uns im Garten. Wegen der Autoabgase würde ich sie an dieser Stelle natürlich keinesfalls ernten, aber zum Ansehen taugen sie allemal. Sie gedeihen hier richtig gut und sehen lecker aus; erinnern mich daran, sie auch bald im Garten zu ernten und in den Salat zu schnippeln.

Auch hier lacht der Ehrenpreis fröhlich zwischen den Brennesseln hervor.

Der Ehrenpreis wächst in dieser Gegend anscheinend fast überall.

Am Eingang des Baumparks befindet sich nicht nur ein Gasthaus mit leckerem Angebot, sondern auch eine Karte, die die Plätze des Arboretums und die Wanderwege anzeigt.

Man kann zwischen drei offiziellen Wegen wählen, die zwei, drei oder 5,5 km lang sind, oder man kann auch einfach durch den Park marschieren, wie man lustig ist, denn die Wege lassen sich kombinieren.

Kurz hinter der Karte geht der Park los.

Hier kann man schon die Vielfalt der Bäume erkennen.

Das Gras ist schon sehr saftig und einige, wenige Bäume blühen, aber auf den ersten Meter befürchtete ich zu früh zu kommen, und dass sich der Frühling noch mehr verzögert hatte als erwartet. Doch das täuschte.

Schon wenige hundert Meter nach den skeptischen Gedanken stiess ich auf die blühende Kornelkirsche.

Die Blüten sehen entzückend aus, sehr fein, beim Näherkommen aber leuchtend.

Direkt unter dem buschartigen Baum der Kornelkirsche wuchsen mehrere Aronstab-Blätter.

Diese Blätter werde ich nie vergessen, auch nicht, wenn noch keine Blüten da sind, um genau zu zeigen, was das wächst.

Meine erste Begenung mit dem Aronstab war nämlich ein echter Brüller. Das war in einer Zeit, als ich immer mehr Pflanzen als Wildgemüse entdeckte. Bei einem Spaziergang sah ich die Blätter des Aronstabes in Hülle und Fülle. Sie erinnerten mich an Spinatblätter und sahen so lecker saftig aus.

Natürlich war ich vorsichtig und ich hatte gelernt, dass man eigentlich von jeder unbekannten Pflanze ungestraft eine winzige Ecke abbeissen kann, um sie zu schmecken und dadurch besser kennen zu lernen.

Hatte ich mir so gedacht - und irrte.

Von einem Aronstab-Blatt biss ich ein ganz kleines Eckchen ab und steckte es in den Mund. Sofort brannte es wie Feuer und mein ganzer Mund schien verätzt. Unglücklicherweise war auch kein Wasser in der Nähe, also rannte ich ein ordentliches Stück, um meinen Mund in einem Bächlein zu kühlen.

Später erfuhr ich, dass der Aronstab genau die Eigenschaft hat, die Mundschleimhaut zu reizen und im Mund zu brennen. Durch meine Tollkühnheit hatte ich das eindrucksvoll erlebt.

Das Liliental ist berühmt für seine Mammutbäume.

Es gibt sogar verschiedene Arten von Mamutbäumen, die aber alle eine rötliche Rinde und den hohen, pyramidenartigen Wuchs aufweisen.

Neben dem Mammutbaum standen zwei Eiben, die über und über blüten.

So eine Eibenblüte ist von Ferne betrachtet nicht besonders spektakulär, aber aus der Nähe sieht es doch sehr schön aus.

An mehreren Bäumen im Liliental wachsen Misteln.

Hier sieht man einen Baum, den es besonders erwischt hat. Leider wachsen die Misteln wie üblich nur in grosser Höhe, sodass mir eine Nahaufnahme verwehrt blieb.

Sogar gewöhnliche Kiefern wachsen im Liliental.

Hier sieht man die langen, kräftigen Nadeln einer Kiefer.

An vielen Stellen wachsen schon zarte Triebe der Schafgarbe zwischen den Bäumen auf den Wiesen.

Die Schafgarbe ist mit ihren filigranen Federblättern einfach unverwechselbar, selbst wenn sie noch so klein sind.

Von vielen Stellen im Liliental kann man die Rundfunk-Antenne des Kaiserstuhls sehen.

Diese Antenne ist wie eine Art Wahrzeichen des Kaiserstuhls. Sie kann von weit weg gesehen werden, sogar von der Autobahn aus, wenn man auf der Durchreise in die Schweiz ist.

Auch im Liliental wachsen an etlichen Stellen Veilchen.

Aber so dicht wie in meinem Garten habe ich keine Veilchen-Teppiche entdeckt.

Der Giersch ist noch klein und sieht harmlos aus.

Ich bin ja sehr froh, dass er meinen Garten in Ruhe lässt, aber hier im Liliental bin ich schon auf seine weitere Entwicklung gespannt, um später im jahr schöne Fotos von ihm machen zu können.

Zudem kann man ihn ja auch essen. Das sollten sich Giersch-geplagte Gartenbesitzer am besten zu Herzen nehmen und ihren Giersch einfach aufessen.

Dann entdeckte ich noch mehrere Wolfsmilch-Pflanzen, die wie blühend aussahen.

Diese spezielle Wolfsmilch-Art kannte ich bisher noch nicht. Die Wolfsmilche sind echt eine grosse Familie. Wie schade, dass sie eher giftig als nützlich sind.

An einer Böschung wachsen überall kleine Erdbeerpflanzen.

Hier wird man demnächst lecker naschen können, sofern die vielen Spaziergänger Erdbeeren übrig lassen.

An einigen Stellen wächst das Scharbockskraut, wie es sich im zeitigen Frühjahr gehört, dicht wie ein Teppich.

Bei dem vielen Grau und Braun, das an den meisten Stellen noch vorherrschend ist, sind solche Grünteppiche die reinste Augenweide.

Zur Zeit könnte man das Scharbockskraut auch noch im Salat geniessen, weil die Blüten noch auf sich warten lassen.

Aber bestimmt kommen die Blüten bald hervor und leuchten dann mit ihrem fröhlichen Gelb.

An anderer Stelle wachsen die Anemonen in Hülle und Fülle, wenn auch nicht so dicht wie ein Teppich.

Die Blüten der Anemone sehen so schön aus, dass ich immer wieder erstaunt bin, dass sie keine vielfältige, nützliche Heilpflanze ist, sondern eher leicht giftig und weitgehend unbrauchbar. Es fällt mir schwer, das zu akzeptieren.

Eines ist zumindest klar: Die Anemone erfreut das Auge.

Zwischen all den Anemonen wuchs eine einzelne Schlüsselblume.

Inzwischen ein denkwürdiges Ereignis, denn die Schlüsselblume ist in freier Wildbahn eine echte Rarität geworden.

Im Gegensatz zur Anemone ist die Schlüsselblume eine sehr wertvolle Heilpflanze, die vor allem wegen ihrer Wirkung gegen Husten geschätzt wird.

Aber pflücken sollte man sie auf keinen Fall, denn sie sind geschützt.

Man kann sich aber ihren Anblick geniessen und sie dadurch besser kennenlernen.

Mitten in der Wildnis, auf einem Berg, lachten mich plötzlich die drolligen, rosafarbenen Blüten des Seidelbastes an.

Er sieht wirklich lustig aus mit den Blüten, die direkt den Zweigen entspringen und unter den jungen Blättern wachsen.

So mitten im Wald sehen die Seidelbastblüten bizarr aus, denn rundherum ist alles braun und grau, an manchen Stellen grün, aber Rosa fällt auf wie ein bunter Hund.

An einer der Buchen auf dem Berg wuchs ein beeindruckend grosser Baumpilz.

Da ich mich mit Baumpilzen kaum auskenne, kann ich leider nichts besonderes dazu sagen. Er hat mir aber so gefallen, dass ich ihn unbedingt fotografieren wollte.

Überall am Wegrand wachsen junge Einbeeren, die man bisher nur erkennen kann, wenn man die Pflanze schon kennt.

Die einzelne Beere braucht nämlich noch einige Zeit, bis sie herangereift ist, als nächstes müssen erstmal die Blüten zum Vorschein kommen.

Die Einbeere ist ein klassisches Hexenkraut und leider giftig, wenn auch nicht sehr stark.

Und dann habe ich endlich ein wichtiges Zwischenziel erreicht.

Ein riesiges Gebiet mit Bärlauch-Pflanzen liegt vor mir.

Die Bärlauchpflanzen sind noch jung, aber an dieser Stelle vielfach schon gross genug, um geerntet zu werden.

Hier wachsen auch so viele Pflanzen, dass ich kein schlechtes Gewissen habe, einige für unsere Frühjahrsküche mitzunehmen. Aber ich achte darauf, von jeder Pflanze nur ein Blatt zu ernten und drumherum die Pflanzen unangetastet zu lassen, damit die Pflanzen in aller Ruhe Blüten bilden und ihren Jahreslauf vollenden können.

Unterwegs komme ich durch einen Hohlweg, der sehr malerisch aussieht.

Ich liebe solche Hohlwege und Stellen, wo der Wald eigenwillig und wild wird. Im Kaiserstuhl gibt es viele solche Ecken und dies ist noch eine der harmlosen, wenn es in echt auch wilder wirkt als auf dem Foto.

Zu meinem grossen Entzücken entdeckte ich am Wegesrand ein Lungenkraut.

Nur selten finde ich dieses hübsche Frühjahrskraut, das seinen festen Platz in der traditionellen Kräuterkunde hat.

Zum Ernten ist es natürlich viel zu kostbar, aber zu Ansehen ist es ein Hochgenuss, wenn man sich weit genug runterbeugt, um die kleine Pflanze in Augenschein nehmen zu können.

Viele Eiben wachsen im Liliental. Eiben, die nicht zu einer viereckigen Hecke zurechtgestutzt sind, sondern die sich frei entfalten können.

Diese hier hat mir am besten gefallen.

Sie zeigt ganz deutlich, warum ich Eiben als heiter und verspielt empfinde, eine ganz andere Einschätzung als die von den meisten anderen Menschen, die in der Eibe nur eine traurige Friedhofspflanze sehen.

Aber schaut nur mal, wie zerzaust die Eibe dasteht. Bestimmt hat sie bis eben frech gespielt und dann vergessen, sich zu kämmen.

Dass Eiben tödlich giftig sind, brauche ich euch bestimmt nicht extra sagen, aber ich tue es lieber sicherheitshalber doch einmal.

Wenn man vor dem Gasthaus des Lilientals sitzt und eine Stärkung geniesst, dann sitzt man unter mehreren grossen Platanen, die bis über die Gartentische reichen.

Vor dem leuchtend blauen Himmel gefallen sie mir sehr gut.

Sie geben der Umgebung etwas mystisches mit ihren verwinkelten Zweigen und noch ganz ohne Blätter.

Mit meiner Wanderung bin ich am Ende und ich finde, dass ich überraschend viele Kräuter entdeckt habe.

Am Abend gibt es zur Feier des Tages leckeren Bärlauchquark mit Kartoffeln und Ei.

Mjam.


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