Kräuter-Wanderung: 20.11.2012: Nebelwald auf La Gomera

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Bald sehen wir auch Blätter, die stark an Lorbeerblätter erinnern.

Aber das sind keine Lorbeerblätter, sondern die hiesige Art der Stechpalme.

Hier haben die Blätter der Stechpalme keine Stacheln, weil es hier früher keine Säugetiere gab, die die Blätter hätten fressen können.

Daher haben sich die Stacheln der Stechpalme hier zurückentwickelt.

Die Wuchsform der hiesigen Stechpalme ist jedoch sehr ähnlich wie die der mitteleuropäischen Stechpalme, sofern man sie frei wachsen lässt.

Ganz ähnlich wächst auch eine Stechpalme in unserem Garten.

Am Wegrand wachsen zahlreiche niedrige Büsche der Zistrose. Sie bekommen gerade frische grüne Blätter, aber ihre Blüten sieht man zur Zeit kaum.

Die Zistrose auf Gomera duftet fast gar nicht, es ist eine ganz andere Art als die Mittelmeer-Zistrose, die gerne als wirksame Heilpflanze verwendet wird.

Hier sehen wir die Blätter des Gagelbaums, eine der beiden prägenden Baumarten dieser Vegetationszone.

Gagelbaum-Blätter sehen zwar auf den ersten Blick auch ein wenig aus wie Lorbeer-Blätter, aber sie sind viel weicher.

Außerdem haben sie einen leicht gezähnten Rand.

Zusammen mit der Baumheide bildet der Gagelbaum in diesem Bereich die Baumheide-Gagelbaum-Vegetation (Fayal-Brezal, Fayal = Gagelbaum, Brezal = Baumheide).

Auch im höher gelegenen Lorbeerwald sieht man noch viele Gagelbäume, teilweise sogar riesige Exemplare.

Auf roter Erde gehen wir immer weiter hinein in den Buschwald.
Kaum erreichen wir den Nationalpark, ändert sich das Pflanzenbild völlig.

Plötzlich stehen wir in einem richtigen Wald mit bizarr geformten Bäumen.

Diese Bäume sind aber immer noch vorwiegend Gagelbaum und Baumheide.

Der Unterschied zwischen vorhin liegt darin begründet, dass die kanarischen Einwohner außerhalb der Nationalpark-Gebietes früher Landwirtschaft betrieben haben. Als sich die Landwirtschaft nicht mehr lohnte, haben sie die Gebiete aufgegeben und die Natur konnte sie sich zurück erobern. Daher sind die Bäume in der Buschwaldzone noch jünger und niedriger als im Nationalpark.

Die Bäume sehen hier im Nationalpark sehr malerisch aus.

Der Name "Märchenwald", der immer öfter benutzt wird, trifft die Sache eigentlich ganz gut.

Es sieht aus, als würde hier der "Herr der Ringe" spielen oder als würde hier Harry Potter durch den gefährlichen Wald streifen.

Am Hang wachsen drei Gänsedisteln und nutzen das Licht einer kleinen Lichtung.

Die Gänsedisteln (genauer: El Hierro Gänsedistel) können hier über einen Meter hoch werden. Sie tragen enorm lange Blätter, die an Löwenzahn erinnern. Auch die gelben Blüten erinnern an den Löwenzahn.

Daher wird die Gänsedistel häufig auch irrtümlicherweise Baumlöwenzahn oder Riesenlöwenzahn genannt.

Immerhin gehören Gänsedisteln und Löwenzahn zur gleichen Familie, nämlich den Korbblütlern.

Die hiesigen Gänsedisteln blühen im zeitigen Frühjahr und verdorren im trockenen Sommer und halten Sommer-Ruhe. Jetzt im feuchten Herbst treiben sie ihre Blätter aus.

Der kanarische Wurmfarn sieht ganz ähnlich aus wie unser mitteleuropäischer Wurmfarn, stellt jedoch eine eigene Art dar.

Er wächst auch an eher feuchten Stellen im schattigen Wald.

Hier sieht man einen richtig großen Gagelbaum.

Die Gagelbäume können hier im Wald über 20 Meter hoch werden.

Die kanarische Brennnessel brennt wie unsere mitteleuropäische und auch die Blattform ist sehr ähnlich.

Aber die kanarische Brennnesselart bildet einen verholzten Stamm, weil sie keine kalten Winter befürchten muss. Sie kann also das ganze Jahr über wachsen.

Auch die Baumheide wird hier im Wald über 20 Meter hoch.
Hier sehen wir nun endlich ein Blatt des kanarischen Lorbeers, eine von vier Lorbeer-Arten, die hier auf Gomera gedeihen.

Den kanarischen Lorbeer kann man daran erkennen, dass in der Mitte des Blattes, also in der Blattachse, mehrere kleine Knötchen verlaufen.

Diese Lorbeerart riecht und schmeckt würzig, sodass man sie auch als Gewürz verwenden kann. Das Aroma dieser Lorbeer-Art ist jedoch weniger intensiv als das vom klassischen Mittelmeer-Lorbeer, dessen Blätter man im Gewürzregal findet.

Hoch in den Bäumen wächst an manchen Stellen die Lungenflechte.

Sie verzeigt sich in Lappen wie die Lungenflügel, was ihr zu ihrem Namen verhalf.

Auf der Unterseite ist die Flechtenart weißlich.

Hier sehen wir ein kleines Exemplar von einer anderen Lorbeer-Baum-Art.

Es handelt sich um eine Indische Persea.

Die Blätter dieser Lorbeerart sind besonders groß und der Stamm des Baumes hat eine braune Rinde.

Das Holz der Persea Indica wird gerne zum Möbelbau verwendet und kann auch als Heilmittel gegen Hauterkrankungen genutzt werden.

Mit Indien hat diese Baumart jedoch nichts zu tun, auch wenn der Name an Indien erinnert. Persea Indica kommt nur auf den Kanarischen Inseln und auf Madeira und den Azoren vor.

Bald kommen wir zu einem Picknickplatz namens "Las Creces" an einem uralten Vulkankrater.

Jetzt stehen hier Picknickbänke und von vulkanischer Aktivität ist schon lange nichts mehr zu spüren.

Am Rand des Picknickplatzes wächst und blüht der kanarische Storchschnabel.
Auch ein Nachtschattengewächs blüht hier, das unserem Schwarzen Nachtschatten stark ähnelt.
Von Las Creces aus folgen wir dem Wegweiser in Richtung "Carretera", denn wir nähern uns jetzt der Höhenkamm-Straße.
Der Weg führt wieder durch einen malerischen Märchenwald.
 

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