Teemischungen richtig zusammenstellen


  

Die meisten Heilpflanzen kann man wahlweise als Einzelkraut oder in Mischungen als Tee trinken.

Teemischungen haben die Aufgabe und den Vorteil, dass man die Fähigkeiten der Heilkräuter so kombinieren kann, dass sich die Wirkungen ergänzen und der gesamte Tee dadurch wirksamer ist als bei einem Einzelkraut.

Ausserdem kann man Tees durch Kräutermischungen geschmacklich und optisch aufwerten.

Normalerweise reicht es für den Einsteiger aus, einfach Kräuter mit einer passenden Wirkung miteinander zu kombinieren. Im Allgemeinen erhält man dadurch eine funktionierende Teemischung.

Bei sehr speziell oder stark wirkenden Kräutern könnte es bei wahlloser Kombination jedoch in seltenen Fällen passieren, dass die Wirkstoffe miteinander nicht harmonisieren. Die Rezeptierung sehr starker Kräuter sollte man jedoch sowieso dem Fachmann überlassen, denn stark heisst auch immer potentiell giftig oder zumindest mit Nebenwirkungen behaftet.

Bei den üblichen, ungiftigen Kräutern führen ungünstige Mischungs-Kombinationen eher zu einem merkwürdigen Geschmack oder dass sich grössere Mengen Teemischung beim Lagern entmischen, weil sich kleine oder schwere Teilchen unten absetzen.

Ausserdem kann es bei unpassender Mischung passieren, dass man nicht das Optimum aus den verfügbaren Kräutern herausholt.

Aus diesen Gründen ist es durchaus sinnvoll, wenn man sich ein wenig mit der Kunst der Kräutermischung vertraut macht.

Hier folgen nun einige Grundregeln für die Zusammenstellung von Teemischungen.



Anzahl der Kräuter

Im Allgemeinen sollte man bei Teemischungen nicht mehr als 7 verschiedene Kräuter verwenden.

Wenn man mehr Kräuter nimmt, dann ist vom einzelnen Kraut in den meisten Fällen nicht mehr genug im Tee enthalten, um eine volle Wirkung zu entfalten.

Häufig reichen schon 3 bis 4 Kräuter für eine Teemischung.

Ausnahmen bestätigen, wie überall, auch hier die Regel.


Aufbewahrung und Beschriftung

Wenn man eine grössere Menge Teemischung zusammenstellen will, sollte man ihn gut aufbewahren und informativ beschriften.

Bei kleinen Mischungen für den Sofortverbrauch ist das natürlich nicht notwendig.

Folgende Grundregeln sollten beim Aufheben von Teemischungen beachtet werden:

  • Aufbewahrung in einer Papiertüte, Zellophantüte, einem dunklen Glasgefäss oder einer Teedose.
  • Zusammenstellung der Kräuter auflisten.
  • Zubereitungs-Form beschreiben, z.B. "1 TL/Tasse - Aufguss - 10 Min. ziehen lassen".
  • Art der Anwendung, z.B. "Mit Honig süssen - in kleinen Schlucken trinken".
  • Menge der Anwendung, z.B. "3 mal täglich eine Tasse".

Mengen

Mengenvergleich
Jeweils 2 Gramm:
Ringelblumen-Blüten, Spitzwegerich-Blätter, Fenchel-Samen (Früchte), Weiden-Rinde, Angelika-Wurzel
Die Mengenangaben für Teemischungen können unterschiedlich gehandhabt werden.

Da Blüten und Blätter deutlich leichter sind als Wurzeln und die meisten Samen, spielt es bei Mengenangaben eine Rolle, ob man von Gewichten oder von Volumen-Einheiten spricht. Das gilt zumindest, wenn in einer Teemischung unterschiedlich schwere Pflanzenteile verwendet werden.

Die übliche Rezeptierung von Teemischungen für grössere Mengen oder wenn man eine Apotheke mit der Zusammenstellung beauftragen will, ist eine präzise Mengenangabe in Gramm.

Meistens wird so ein Rezept so zusammengestellt, dass als Gesamtmenge eine runde Summe entsteht, beispielsweise 50 gr oder 100 gr.

Eine lässigere Art der Mengenangabe ist die Angabe von "Teilen". Hierbei sollte man zusätzlich angeben, ob es sich um Volumen-Teile oder um Gewichtsteile handeln soll. Beispiel: "Mische zu gleichen Teilen (in Gramm)".

Volumen-Angaben eignen sich für schnell zusammengestellte Rezepturen für den Sofortverbrauch. Bei solchen Mischungen kann man die Kräuter dann einfach mit den Fingerspitzen dosieren und kombinieren.

Gewichtsangaben eignen sich eher für grössere Mischungen zum Aufheben oder wenn die Mengenverhältnisse präzise sein sollen.


Hauptkräuter

Die Hauptkräuter sind, wie der Name schon andeutet, die wichtigsten Kräuter der Teemischung.

Diese Hauptkräuter sollen den wesentlichen Anteil an der Wirkung der Teemischung tragen.

Daher kommen die Hauptkräuter in den Mischungen meistens auch in relativ grosser Menge vor.

Eine Teemischung sollte 1 bis 3 Hauptkräuter enthalten.

Wenn die Teemischung einem einzelnen gezielten Wirkungszweck dienen soll, beispielsweise Blähungen, können die Hauptkräuter gleichsinnig wirken, also auf die gleiche Art und Weise und mit ähnlichen Wirkstoffen, z.B. Fenchel, Anis, Kümmel.

Wenn die Teemischung jedoch eher einem breiten Zweck dienen soll, beispielsweise Erkältung, sollten sich die Kräuter eher ergänzen, um die verschiedenen Bedürfnisse abzudecken, z.B. Lindenblüten fürs Schwitzen, Thymian gegen den Husten und Mädesüss gegen Fieber und Schmerzen.

Typische Hauptkräuter sind:

  • Thymian bei Husten zur Atemwegsdesinfektion
  • Lindenblüten bei Erkältung zum Schwitzen
  • Kamille bei Verdauungsproblemen zur Entkrampfung und Entzündungshemmung
  • Birke bei Blutreinigungstees zur Förderung der Ausscheidung
Diese Beispiele sind natürlich nur ein ganz winziger Teil der grossen Zahl von guten Hauptkräutern.

Die meisten ungiftigen Kräuter mit guter Heilwirkung eignen sich als Hauptkräuter in Teemischungen. Viele Hauptkräuter können auch die Aufgabe der nachfolgend beschriebenen Ergänzungskräuter beispielsweise zur Geschmackförderung übernehmen.


Ergänzungskräuter

Als Ergänzungskräuter kann man alle der nachfolgenden Kräutergruppen bezeichnen, also die Kräuter zur Geschmacksverbesserung, die optischen Verbesserer und die Kräuter, die die Mischung zusammenhalten.

Zusätzlich kann man einer Teemischung aber auch Kräuter mit einer ergänzenden Wirkung beifügen.

Beispiele hierfür wären entkrampfende Kräuter gegen Husten, die keine eigentlichen Hustenkräuter sind, aber die Neigung zu Hustenattacken lindern, z.B. Gänsefingerkraut. Auch Frauentees und Verdauungstees könnten von seiner entkrampfenden Wirkung profitieren.

Ein anderes Beispiel wäre die entzündungshemmende Wirkung der Teufelskralle in einem Tee gegen Hexenschuss oder gegen Husten.

Bei der Auswahl von Kräutern mit ergänzender Wirkung ist ein wenig Phantasie gefragt, es kommt vor allem auf den jeweiligen Einzelfall an. Daher kann man auch kaum eine Liste mit Pflanzen für eine ergänzende Wirkung zusammenstellen.


Geschmacksförderung

Manche Heilkräuter schmecken im Tee nicht gerade wohlschmeckend.

Bei der Verwendung solcher Kräuter in einer Teemischung ist es sinnvoll, wenn man ausserdem Kräuter mit deutlichem Wohlgeschmack hinzufügt, damit der gesamte Tee besser schmeckt und lieber getrunken wird.

Viele der wohlschmeckenden Kräuter haben gute eigenen Heilwirkungen. Da ist es natürlich sinnvoll, wenn man Kräuter als Geschmacksverbesserer einsetzt, die sich auch als Hauptkräuter eignen würden.

Beispiele wären hier Fenchel in einem Husten- oder Blähungstee, Minze in einem Verdauungstee oder Melisse in einem Beruhigungstee.

Bevor man eine Teemischung in grösserer Menge zusammenstellt, sollte man eine kleinere Menge mischen und probieren. Erst beim Testtrinken kann man als Laie feststellen, ob der Geschmack ist wie gewünscht.

Folgende Kräuter sind typische Geschmacksförderer:


Schmuckdroge

Schmuckdrogen
Kamillenblüten, Rosenknopsen, Lavendelblüten, Johanniskrautblüten, Malvenblüten, Ringelblumen-Blüten
Auch bei Teemischungen trinkt das Auge mit.

Das gilt vor allem bei Teemischungen in grösserer Menge, die man aufheben und immer wieder verwenden will.

Wenn man dann von einem bunten Farbtupfer angelacht wird, fördert dies die Wirkung des Tees durch die Seele.

Als sogenannte Schmuckdrogen eignen sich alle Kräuter, die auch im getrockneten Zustand eine kräftige Färbung behalten.

Am besten ist so eine Schmuckdroge natürlich eingesetzt, wenn sie die gewünschte Wirkung der Teemischung unterstützt, z.B. Klatschmohn in einem Entspannungstee.

Da man von der Schmuckdroge jedoch meistens nur sehr kleine Mengen verwendet, spielt ihre Wirkung nicht unbedingt eine Rolle.

Besonders geeignete Schmuckdrogen sind:


Stabilisierung

Stabilisierungskräuter
Hamamelis, Spitzwegerich, Ehrenpreis, Huflattich
Wenn man eine Teemischung länger aufbewahren will, ist es hilfreich, Pflanzenteile einzusetzen, die eine Entmischung der Teemischung verhindern.

Durch längeres Stehen könnten sich nämlich schwere und besonders kleine Pflanzenteile am Boden der Teemischung absetzen.

Mit Stabilisierungskräutern bindet man solche Pflanzenteile in der Gesamtmischung.

Als Stabilisierungskräuter eignen sich flauschige Pflanzenteile, die ein wenig wollig sind.

Am besten ist der Einsatz von Stabilisierungskräutern, die auch von der Wirkung her zu der Teemischung passen, beispielsweise Huflattich in Hustentees.

Etwa 10% bis 20% der Teemischung sollten Stabilisierungskräuter sein.

Folgende Kräuter sind gut geeignete Stabilisatoren.


Hustentee als Beispiel-Teemischung

Husten-Teemischung
Zur beispielhaften Verdeutlichung der Teemischungs-Regeln folgt hier eine Teemischung, bei der alle typischen Elemente einer Teemischung vorkommen.

Die Aufgaben der einzelnen Elemente der Teemischung werden Pflanze für Pflanze erläutert.

Bei der Teemischung handelt es sich um einen Hustentee, der sowohl bei einem normalen Erkältungshusten, als auch bei Bronchitis oder Reizhusten geeignet sein soll.

Rezeptur

Die Gesamtmenge dieser Teemischung ist ziemlich klein, sie dient sozusagen als Testmenge. Aus der Zusammenstellung kann man gerade einmal 3-4 Tassen Tee zubereiten, das entspricht in etwa einer Tagesmenge.

Wenn man die Teemischung für den häufigeren Gebrauch anmischen will, nimmt man die fünf- oder zehnfache Menge.

Nun zu den Aufgaben der einzelnen Kräuter:

Drei Hauptkräuter

Wir haben drei Hauptkräuter, die auch an der grösseren Menge erkennbar sind.

Es handelt sich um Spitzwegerich, Thymian und Königskerze.

Alle drei sind typische Hustenkräuter, jedoch mit unterschiedlichen Wirk-Schwerpunkten.

Der Spitzwegerich wirkt schleimlösend, entzündungshemmend und antibakteriell. Dadurch eignet er sich in mehrfacher Hinsicht für den Einsatz gegen Husten. Sein Geschmack ist relativ neutral. Durch seine Konsistenz würde er sich auch als Stabilisierungskraut eignen.

Thymian wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, krampflösend, schleimlösend und beruhigend. Ausserdem kann er durch seine ätherischen Öle die Atemwege befreien. Das macht den Thymian zu einem exzellenten Hustenkraut. Da er recht intensiv schmeckt, könnte man den Thymian auch als Geschmacksverbesserer einsetzen.

Die Königskerzenblüten wirken schleimlösend, auswurffördernd und reizlindernd. Sie fördern das Abhusten des Schleims und lindern den Hustenreiz.

Eigentlich wäre der Hustentee mit diesen drei Kräutern schon relativ abgerundet. Man hätte eine vielseitige Wirkung gegen Husten.

Gänsefingerkraut zur Ergänzungswirkung

Das Gänsefingerkraut ist kein klassisches Hustenkraut, hat aber mehrere Eigenschaften, die für seinen Einsatz in einer Hustenteemischung sprechen.

Der Hauptgrund für seine Anwesenheit in dieser Teemischung ist seine entkrampfende Wirkung.

Dadurch mildert es den quälenden Hustenreiz.

Ausserdem wirkt Gänsefingerkraut noch antibakteriell, entzündungshemmend und beruhigend. Das rechtfertigt seinen Einsatz in der Teemischung doppelt und dreifach.

Fenchel als Geschmacksgeber

Die Hauptaufgabe des Fenchels in dieser Teemischung ist sein leicht süsslicher Wohlgeschmack.

Ausserdem ist Fenchel aber auch eine beliebte und wirksame Hustenpflanze, denn Fenchel wirkt entkrampfend, schleimlösend und antibakteriell.

Ringelblume als Schmuckdroge

Die leuchtend orangenen Blütenblätter der Ringelblume übernehmen in dieser Teemischung die Aufgabe als Schmuckdroge.

Bei dieser Aufgabe ist eine ausgeprägte medizinische Wirkung normalerweise gar nicht erforderlich.

Die Ringelblume liefert sie trotzdem, denn sie wirkt entzündungshemmend, antibakteriell und krampflösend.

Huflattich als Stabilisator

Die flauschigen Blätter des Huflattichs sind ein hervorragender Stabilisator für die Teemischung.

Ausserdem ist der Huflattich eine bekannte und beliebte Hustenpflanze, was ihn für diese Teemischung doppelt geeignet macht.

Huflattich wirkt nämlich antibakteriell, entzündungshemmend und schleimlösend.


Zubereitung

Zubereitung
Wenn man die gewünschten Heilpflanzen zusammengestellt hat, dann müssen sie anschliessend vermischt werden.

Dazu eignet sich am besten eine Schüssel, die reichlich Platz bietet oder ein ebenso reichlich bemessenes Schraubdeckel-Glas.

Alle Kräuter werden in das Mischgefäss gegeben und gründlich miteinander vermischt.

Wenn man eine gleichmässige Durchmischung erreicht hat, kann man die Teemischung in das endgültige Gefäss füllen.

Natürlich kann man auch gleich einen Tee damit zubereiten und trinken.

Disclaimer: Frage Deinen Arzt oder Apotheker
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