Pyrrolizidinalkaloide


  

Huflattich Hin und wieder werden einzelne Heilkräuter oder gar ganze Gruppen von Heilpflanzen zum Opfer von Verunglimpfungskampagnen.

Im Allgemeinen geschieht dies offiziell als Maßnahme zur Risikobegrenzung für den Anwender.

Die Studien, die zu Verboten von Heilpflanzen führen, sind manchmal fragwürdig. Manchmal werden diese Studien auch von Fachleuten interpretiert, die ein Interesse daran haben, Heilpflanzen vom Markt zu nehmen.

Politiker, die letzlich die Entscheidungen treffen, ob eine Heilpflanze apothekenpflichtig oder rezeptpflichtig wird oder gar ganz aus dem Handel genommen wird, glauben oft, dass sie für die Allgemeinheit etwas Gutes tun. Sie wissen meistens nicht genug über Heilpflanzen, um die Situation selbst beurteilen zu können und müssen sich auf die Fachleute verlassen.

Wenn eine Verunglimpfungs-Kampagne sehr erfolgreich ist, schafft es die Negativ-Information nicht nur dauerhaft ins Bewusstsein der Menschen, sondern auch in manch renommierte Heilpflanzenbücher.

Ob die negativen Informationen berechtigt sind oder nicht, ist in den meisten Fällen für Laien nur schwer herauszufinden.

Kräuter-Verunglimpfung am Beispiel der Pyrrolizidinalkaloide

Jakobs-Kreuzkraut Pyrrolizidinalkaloide sind eine grosse Gruppe von Alkaloiden, die in manchen Pflanzen enthalten sind.

Einige Pyrrolizidinalkaloide haben eine leberschädigende Wirkung. Bei Langzeitanwendung können sie auch Leberkrebs auslösen.

Das trifft aber nicht auf alle Pyrrolizidinalkaloide, sondern nur auf einige, beispielsweise Senecionin und Senkirkin.

Solche schädlichen Pyrrolizidinalkaloide sind beispielsweise in Kreuzkräutern enthalten, einer grossen Pflanzengattung.

Seit langer Zeit ist bekannt, das das Jakobs-Kreuzkraut zu tödlichen Leber-Schädigungen bei Weidetieren führen kann, wenn diese vom Jakobs-Kreuzkraut fressen. Frisches Jakobs-Kreuzkraut wird von den Weidetieren meistens gemieden, weil es bitter schmeckt, aber im trockenen Heu verliert sich der bittere Geschmack und es kommt zu den Problemen.

Soweit ist es eine klare Sache mit den Pyrrolizidinalkaloiden. Man kann die betroffenen Kreuzkräuter getrost als giftig bezeichnen.

Aber dann begann Ende der 1980er Jahren eine Kampagne, die alle Heilpflanzen, die Pyrrolizidinalkaloide enthalten, als giftig abstempeln wollte.

Pyrrolizidinalkaloide sind in zahlreichen Pflanzen der Familien Korbblütler, Rauhblattgewächse und Hülsenfrüchtler enthalten.

Dazu gehören so bekannte, traditionelle Heilpflanzen wie

Im Jahr 1988 schrieb das deutsche Bundesgesundheitsamt (BGA) an zahlreiche Arzneimittelhersteller und kündigte das Ruhen der Zulassung von über 2500 Naturheilmitteln an, die Heilpflanzen mit Pyrrolizidinalkaloiden enthielten.

Der Auslöser dieser Kampagne war der Tod eines Neugeborenen, dessen Mutter angeblich während der Schwangerschaft Huflattich-Tee getrunken hatte.

Diese Nachricht ging durch zahlreiche Medien und sorgte schnell für starke Verunsicherung in Hinblick auf den Huflattich.

Bei näherer Betrachtung stellte sich jedoch heraus, dass die Mutter des Säuglings drogensüchtig war. Sie trank ausserdem einen Mischtee, der maximal neun Prozent Huflattich enthielt. Die anderen Heilpflanzen in diesem Mischtee wurden weder von den Medien noch vom BGA berücksichtigt. Neuere Meldungen bezweifelten sogar, ob überhaupt Huflattich in dem Mischtee enthalten war.

Zur Untermauerung der Schädlichkeits-Vorwürfe gab es Tierversuche mit Ratten. Die Ratten wurden mit Futter gefüttert, das 4% bis 32% Huflattich enthielt. Die Ratten verweigerten das Futter ab 15% Huflattichanteil, daher wurde ihnen das Futter zwangsweise verabreicht.

Allein der Stress durch Zwangsernährung kann schon krebsfördernd wirken. Ausserdem gilt auch bei Huflattich: allein die Dosis macht einen Stoff zum Gift.

Kein vernünftiger Mensch und auch kein Tier würde sich zu einem hohen Prozentsatz von Huflattich ernähren.

Eine gesundheitsschädliche Wirkung bei Zwangsernährung mit immer den gleichen Kräutern würde nicht nur bei Huflattich, sondern bei allen Heilpflanzen auftreten. Selbst bei Zwangsernährung mit Kaffee, Bier, Kochsalz und dergleichen kann man sich als Tester sicher sein, dass es zu Gesundheitsproblemen kommt.

Man kann also sehr einfach eine Heilpflanze oder ein Genussmittel in Misskredit bringen, indem man einfach Versuchstiere damit zwangsfüttert.

Wenn die schädigende Wirkung nicht drastisch genug ist, wird häufig die zu verteufelnde Substanz chemisch isoliert und den Versuchstieren hochdosiert gespritzt. Spätestens bei solchen Versuchen hat man dann sehr extreme Gesundheitsstörungen. Dabei ist es völlig egal, mit welcher Substanz man die Tiere behandelt.

So wundert es nicht, dass die Versuchratten nach längerer Huflattich-Zwangsfütterung krank wurden, sie bekamen Leberkrebs.

Diese Versuchsergebnisse wurden schliesslich verwendet, um die Verbote der betroffenen Heilpflanzen durchzusetzen.

In der Folgezeit brach ein langjähriger Kampf aus, zu dem mir nicht alle Einzelheiten bekannt sind.

Ein vollständiges Verbot von Huflattich, Beinwell und anderen Heilpflanzen konnte letztendlich nicht durchgedrückt werden. In den meisten Kräuterhandlungen sind Beinwell und Huflattich inzwischen nicht mehr erhältlich, das gilt auch für die meisten anderen Pflanzen, die damals auf der Verbotsliste des BGAs standen. In Apotheken kann man Beinwell und Huflattich jedoch rezeptfrei bestellen.

In den Köpfen der Menschen und vor allem auch der Kräuterkundigen ist jedoch ein erheblicher Schaden angerichtet worden.

Zahlreiche Menschen glauben inzwischen allen Ernstes, dass alle Pflanzen, die auch nur geringste Mengen Pyrrolizidinalkaloide enthalten, egal welcher Art, gefährlich giftig und krebsfördernd sind. Kräuterkundige und Buchautoren werden manchmal so lange bedrängt, bis sie entsprechende Warnungen in ihre Publikationen aufnehmen. So gelangt die fehlerhafte Information, dass Huflattich, Beinwell und generell alle pyrrolizidinalkaloid-haltigen Heilpflanzen giftig sind, in immer mehr Publikationen, bis diese Falschinformation im Laufe der Jahre zu einem festen Bestandteil des Allgemeinwissens werden wird.

Daran kann man erkennen, dass man nicht nur die Heilpflanzen selbst mit einem gewissen Augenmass betrachten muss, sondern auch die Informationen über Wirkungen und Nebenwirkungen von Heilpflanzen.

Hinweis: die Giftigkeit von Pyrrolizidinalkaloiden in Kreuzkräutern wird in diesem Artikel keineswegs bestritten. Die kritischen Äusserungen beziehen sich ausschliesslich auf die Panikmache und Verbotsversuche, die pauschal alle Pflanzen mit Pyrrolizidinalkaloiden verteufeln.

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