Sammeltipps


Gundermann Wenn man Heilpflanzen sammeln will, sollte man einige Grundregeln beachten, um Freude an den Kräutern und wirksame Ergebnisse zu bekommen.


Pflanzen kennenlernen

Am wichtigsten ist es, die Pflanzen gründlich kennenzulernen, bevor man sie sammelt.

Man sollte sie eindeutig identifizieren können.

Bei manchen Pflanzen ist dies einfach, bei anderen kann es aber zur Verwechslung kommen, mitunter mit schlimmen Folgen. Vor allem Doldenblütler sind schwer zu unterscheiden und wenn man Pech hat, dann erwischt man den tödlich giftigen Schierling.


Sammelzeit beachten

Jede Pflanze bzw. jedes Pflanzenteil hat ihre optimale Zeit, um gesammelt zu werden.

Für die einzelnen Pflanzenarten gibt es einen Sammelkalender. Auch bei den Pflanzenbeschreibungen im Lexikon steht bei Besonderheiten ein Hinweis auf die Sammelzeit im Text.

Für die Pflanzenteile, unabhängig von der Pflanzenart gibt es ein paar Faustregeln, die jedoch bei einzelnen Pflanzen abweichen können.

Generell gilt: Nur bei trockenem Wetter sammeln!

Die Pflanzen sollte auch nicht nass vom Tau sein, sondern schon abgetrocknet. In den frühen Morgenstunden ist das Kräutersammeln also nicht angesagt, sondern eher im Laufe des Vormittags, wenn die Pflanzen schon trocken sind, aber noch frisch von der Ruhe der Nacht. Das gilt nicht für Wurzeln, die vor allem abends am gehaltvollsten sind.

Hier eine Tabelle für die jeweiligen Pflanzenteile:
(Die Hinweise auf die Mondphase sind eher esoterischer Natur und nicht naturwissenschaftlich begründet.)

Pflanzenteil Jahreszeit / Reifungsphase Tageszeit Mondphase
Kraut Vor oder während der Blüte Vormittag Zunehmender Mond
Blätter Vor oder während der Blüte Vormittag Zunehmender Mond
Knospen Kurz vor dem Aufblühen Vormittag  
Blüten Wenn sie gerade aufgeblüht sind Vormittag  
Früchte Wenn sie reif sind Ganztags  
Samen Wenn sie reif sind Ganztags  
Wurzeln Frühjahr und Herbst Abends Abnehmender Mond
Rinde Frühjahr und Herbst Ganztags  


Geeignete Orte

In unserer von Strassen durchzogenen und von Feldern gefüllten Landschaft ist es oft schwierig geeignete Plätze zum Sammeln von Heilpflanzen zu finden.

Nicht an Strassen

Die Abgase der Autos sammeln sich in den Pflanzen an, die zwar tapfer versuchen, die Gifte abzubauen, aber sie sind mit dieser Aufgabe voll beschäftigt und nicht als Heilpflanzen geeignet.

Wenn man Pflanzen zu sich nimmt, die direkt neben vielbefahrenen Strassen wachsen, dann schadet man sich mitunter mehr als dass man sich etwas Gutes tut.

Daher: Finger weg von Pflanzen, die bis zu 100 Meter neben vielbefahrenen Strassen wachsen!

Man kann solche Pflanzen jedoch anschauen, fotografieren und kennenlernen.

Nicht neben Feldern

Die meisten Felder werden stark gedüngt und mit Pflanzenschutzmitteln gespritzt.

Der Dünger bläst auch die nebendran wachsenden Heilpflanzen unnötig auf, sodass sie zwar gross aber wirkungslos sind.

Spritzmittel schaden den Pflanzen, sie enthalten dadurch mehr oder weniger viel Gifte.

Daher: Finger weg von Pflanzen, die neben Feldern wachsen.

Freie Natur

Die verbleibenden, wenigen Stellen, die für das Sammeln von Pflanzen geeignet sind, sollte man pfleglich behandeln und keinesfalls einen Flurschaden hinterlassen.

Schliesslich wollen die Pflanzen auch nach unserem besuch ungehindert weiterwachsen und auch andere Kräuterfreunde wollen eventuell Pflanzen sammeln oder sich einfach nur an ihnen freuen können.

Diese behutsame Einstellung zur Sammelleidenschaft gilt für alle Pflanzen, nicht nur für besonders seltene Arten.


Pflanzenschutz

Etliche Pflanzenarten stehen unter Naturschutz und dürfen nicht gesammelt werden.

Da es sich um eine umfangreiche Liste handelt, gibt es eine extra Seite mit einer Tabelle der Pflanzen, die in Deutschland unter Naturschutz stehen.


Gesunde Pflanzen

Nur gesunde Pflanzen sollten gesammelt werden, denn Pflanzen mit Schäden, Pilzbefall oder Ungeziefer verfügen nicht über die volle Heilkraft,

Ausserdem könnten unbekannte Schadstoffe enthalten sein, denn schliesslich weiss man oft nicht, was die Pflanze geschwächt hat.


Sammelmenge

Prinzipiell sollte man man immer maximal einen Jahresvorrat von jeder Art sammeln, denn nach einem Jahr lässt die Wirkung der Heilpflanzen nach.

Ausserdem hängt es natürlich vom Angebot an den geeigneten Sammelstellen ab, wieviel man jeweils sammeln darf.

Unbedingt sollte man genügend unversehrte Pflanzen stehen lassen, damit sie sich wieder ausreichend vermehren können.

Meine persönliche Faustregel geht sogar so weit, dass man nach meinem Sammelbesuch nicht auf den ersten Blick sehen kann, dass ich dort war und Pflanzen gesammelt habe. Von der Menge her ist das maximal ein Zehntel der vorhandenen Pflanzen.


Sammeltechnik

Pflanzen sollten nicht ausgerissen werden, es sei denn, man will gezielt die Wurzeln sammeln.

Stattdessen sollten die Pflanzenteile sorgfältig abgezupft oder abgeschnitten werden, je nachdem, was man sammelt.

Schamanen der Naturvölker vermeiden die Berührung der Pflanzen mit Eisen, stattdessen benutzen sie Messer aus Stein, Hartholz oder anderen Metallen.

Dank an die Pflanze

Die meisten Kräuzterkundigen sind der Überzeugung, dass es wichtig ist, die Pflanze um Erlaubnis zum Sammeln zu bitten.

Das kann man wortlos in Gedanken tun, oder man spricht sie an. Auch ein Lied als Bitte und zum Dank mögen die Pflanzen ganz besonders gern.

Nach dem Ernten, vor allem wenn man wesentliche Teile, wie beispielsweise Wurzeln geerntet hat, oder wenn man grössere Mengen gesammelt hat, ist es eine freundliche Geste, den Pflanzen einen Dank zu hinterlassen.

Das kann etwas Getreide sein, vielleicht Hornspäne (wegen deren Nährkraft) und in unserer heutigen Zeit des Geldes kann das auch eine Kupfermünze sein. Kupfer wird vom Boden benötigt, um die Pflanzen zu ernähren.

Die Ureinwohner Amerikas geben den Pflanzen oft Tabak oder Maiskörner zum Dank.


Sammelbehälter

Zum Transport der Pflanzen nach Hause bewahrt man sie am besten in einem Korb, einer offenen Tasche oder in einem Papierbehälter auf.

Plastiktüten sind nicht geeignet.


Reinigung

Bei Blättern und ganzen Kräutern sollte man nur solche Pflanzen sammeln, die so sauber sind, dass man sie gar nicht reinigen muss.

Wurzeln sind naturgemässe von Erde umgegeben. Zunächst sollte man die Erde abschütteln und abbürsten. Die dann noch vorhandenen Reste kann man zügig mit kalten Wasser abspülen.


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